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Redaktion: Detail

Wasserreinigung ist nicht gleich Wasserreinigung

Wasserreinigung ist nicht gleich Wasserreinigung

Die touristischen Kleinstädte Archena, Pejo und Bad Buchau haben nicht nur eine landschaftliche Idylle und Thermalbäder gemeinsam. Ein genauer Blick auf das Wasser zeigt, wie nah man dort dem naturnahen Baden ist.

Große Badewannen mit Zusätzen

Ein Wellnesstag im Heilwasser einer Therme kann den Alltag vergessen machen. Ein paar Minuten oder Stunden im gesunden Nass und schon fühlen sich die meisten erholt. Dass die Erholung nicht zu kurz kommt, dafür sorgt gereinigtes und regelmäßig kontrolliertes Wasser. Kleinste Partikel werden von Filteranlagen aus dem Wasser entfernt. Keime und Krankheitserreger, die das nasse Element verunreinigen können, werden traditionell mit Chlor und Brom unschädlich gemacht. Nicht wenige kennen aber auch die negativen Aspekte dieser Form der Wasseraufbereitung. Schon der leicht wahrnehmbare chlorhaltige Geruch in vielen Schwimmbädern ist vielen unangenehm. Verbindet sich das Element mit organischen Stoffen, kann es Schleimhäute reizen und Entzündungen hervorrufen. Da Chlor sehr reaktionsfreudig ist, ist es zusätzlich sehr schwer zu handhaben. Nicht selten gibt es in Schwimmbädern einen sogenannten Chloralarm, wenn Chlorgranulat reagiert und Besucher deswegen ein Schwimmbad vorsichtshalber verlassen müssen.

Poseidon – Wasserreinigung geht auch naturnaher, oder?

Die Aspekte Sicherheitsgrad und Nachhaltigkeit der Hygienesysteme sind die beiden entscheidenden bei der Aufbereitung von Thermalwasser. Das LEADER Projekt Poseidon II hat sich in der Vergangenheit die Aufgabe gestellt, zu erforschen wie das Wasser möglichst natur- und körperverträglich desinfiziert werden kann. Ziel war es, das Thermalwasser in ihrer Grundbeschaffenheit nicht oder möglichst wenig zu verändern. Das gesäuberte Thermalwasser sollte dem Trinkwasser möglichst gleichen. Länderübergreifend wurde in drei Thermen im Pejotal (Südtirol), in der Provinz Murcia (südwestliches Spanien) und in der Adelindis Therme in Bad Buchau das sogenannte Membranelektrolyseverfahren erprobt und entwickelt. Freiwillige Badegäste wurden in Gruppen eingeteilt und badeten in unterschiedlichen Becken. Die einen Becken wurden traditionell mit Chlor und Brom gereinigt, die anderen mit der nachhaltigeren Methode, mit Anolyten. Während eines Testzeitraums von acht Wochen wurden subjektive Daten und Hautparameter erfasst und ausgewertet. Negativerscheinungen bei Personen mit sensibler Haut galt es vorerst auszuschließen.

Alles klar – auch ohne Chlor

Die Ergebnisse waren eindeutig. Die herkömmliche Wasseraufbereitung verändert das Badewasser deutlich. Die nachhaltigere Methode hat nahezu keine Veränderung der Wasserzusammensetzung zur Folge. Wird das feuchte Nass mit Anolyten gereinigt, kann sogar auf den Zusatz Schwefelsäure, der in der Regel den pH-Wert stabilisieren muss, verzichtet werden. Auch das im Badewasser wünschenswerte Hydrogenkarbonat bleibt erhalten. Durch den Einsatz von Anolyten erübrigte sich in den Testbecken der Verbrauch von Chlorgas und Schwefelsäure ganz erheblich – chemische Zusätze, die nicht mehr in den Wasserkreislauf gelangen. Das mikrobielle Untersuchungsprogramm bestätigte, dass die naturnähere Wasseraufbereitung denselben Standards entspricht, wie die Reinigung durch Chlor.  

Wie funktioniert die nachhaltigere Wasseraufbereitung?

Die Maschine, die das Wasser reinigt, ähnelt einer Waschmaschine und auch dem technischen Grundaufbau der herkömmlichen Säuberung. Das Thermalwasser erfährt, wie gewöhnlich, eine Sandfiltration. Auf die Zugabe von chemischen Zusätzen wird verzichtet. Danach erfolgt mit Hilfe des Membranelektrolyseverfahrens die Produktion pH-neutraler Anolyten, welche dem Badewasser zugesetzt werden. Anolyte verfügen über eine sehr hohe elektrische Ladung, welche die Zellmembran von Einzellern durchlöchert und dadurch abtötet. Das nachhaltige Desinfektionsmittel kann ausschließlich aus natürlich vorkommenden Materialen (Wasser und Salz) hergestellt werden. Da es vor Ort produziert werden kann, wird auch der Transport-, Lager und Entsorgungsaufwand stark reduziert.

Adelindis Therme Bad Buchau – Wasser und Natur sind grün

Die Adelindis Therme in Bad Buchau liegt nur wenige Meter vom Naturschutzgebiet entfernt. Die Therme zwischen Ulm und dem Bodensee nutzt die nachhaltigere Wasseraufbereitung in einzelnen Becken bereits seit vielen Jahren und beabsichtigt sie in der Zukunft komplett auf das neue Verfahren umzustellen. Das hygienische Niveau des Wassers soll damit bestmöglich hoch und gleichzeitig naturnah sein. Seit Poseidon ist das Thermalwasser zum größten Teil nicht nur blau, sondern in Bezug auf die Reinigung auch grüner als in manch anderer Therme.

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